Sturmschaden am Dach: Was tun? Checkliste + Versicherung
Was Sie in den ersten 24 Stunden nach einem Sturm tun sollten — Notfall-Schritte, Dach provisorisch sichern, Versicherung richtig melden und typische Fehler vermeiden. Mit Notdienst-Erfahrung aus über 25 Jahren Dachdeckerhandwerk.
1. Erste Schritte nach dem Sturm
Wenn der Sturm vorbei ist und Sie vermuten, dass Ihr Dach beschädigt ist, ist schnelles und besonnenes Handeln gefragt. Die Prioritäten sind klar: zuerst Sicherheit, dann Schadensbegrenzung, dann Dokumentation. So gehen Sie vor:
- Menschen schützen: Bringen Sie alle Personen aus dem direkten Gefahrenbereich. Betreten Sie keinen Raum, in dem Wasser von der Decke tropft — es könnte die Deckenkonstruktion schwächen.
- Nicht selbst aufs Dach: Lebensgefahr! Sturmböen können wieder einsetzen, nasses Gebälk ist rutschig, herabfallende Pfannen sind tödlich. Das ist Aufgabe von Fachleuten mit Sicherheitstechnik.
- Aus dem Gebäudeinneren fotografieren: Dokumentieren Sie alle sichtbaren Schäden (Wasserflecken, abhängende Decken, Pfannen im Garten).
- Dachdecker-Notdienst rufen: Ein Fachbetrieb sichert das Dach provisorisch ab und verhindert weiteres Eindringen von Wasser. Jede Stunde zählt, denn Nässe wandert schnell in die Dämmung und Holzbalken.
- Versicherung informieren: Melden Sie den Schaden zeitnah — am besten noch am selben Tag.
2. Notfall-Checkliste — die ersten 24 Stunden
- Personen aus Gefahrenbereich bringen — keine Räume betreten, in denen Wasser tropft
- Strom in betroffenen Räumen abschalten — Kurzschluss- und Brandgefahr bei Wassereintritt
- Schäden fotografieren und filmen — aus sicherer Entfernung, sowohl innen als außen (ohne das Dach zu betreten)
- Abgerissene Pfannen oder Trümmerteile sichern — nicht wegwerfen, das sind Beweismittel für die Versicherung
- Möbel und Elektronik aus gefährdeten Räumen räumen oder mit Planen abdecken
- Eimer und Handtücher aufstellen — Wasser auffangen, um die Bausubstanz zu schonen
- Dachdecker-Notdienst rufen — provisorische Abdeckung beauftragen (05121 3022)
- Versicherung telefonisch informieren — Schadensnummer notieren
- Nachbarn informieren — besonders bei Mehrfamilienhäusern und bei Gefahr für Fußgänger
- Schadensprotokoll schreiben — Zeitpunkt, Uhrzeit, beobachtete Wetterlage
Diese Checkliste ersetzt keinen Fachmann — sie hilft Ihnen aber, in der Stresssituation die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu tun.
3. Dach provisorisch sichern
Die provisorische Sicherung hat eine einzige Aufgabe: weiteres Eindringen von Wasser verhindern, bis die dauerhafte Reparatur stattfinden kann. Das macht ein Dachdeckermeister mit Spezialplanen (UV-beständig, reißfest), Folien und Beschwerung. So läuft es ab:
- Begutachtung aus sicherer Position: Der Dachdecker prüft die Schadensstelle mit Leiter oder Hubsteiger, ohne das instabile Dach zu betreten.
- Abdeckung mit Dachdeckerplane: reißfeste PE-Plane wird über die Schadensstelle gespannt und an intakten Bereichen fixiert.
- Wasserableitung: Eimer, Folientröge und Handtücher fangen restliches Wasser auf und leiten es ab.
- Fotodokumentation: Alle Schäden werden für die Versicherung lückenlos dokumentiert.
- Termin für dauerhafte Reparatur: Der Fachbetrieb plant die endgültige Instandsetzung und berät zum weiteren Vorgehen mit der Versicherung.
Die Kosten für die provisorische Sicherung (typischerweise 200 bis 600 Euro) übernimmt in der Regel die Gebäudeversicherung. Bewahren Sie alle Rechnungen sorgfältig auf.
4. Versicherung richtig melden
Die Versicherungsmeldung ist einer der kritischsten Punkte — hier passieren die meisten Fehler, die später zu Leistungskürzungen führen. So machen Sie es richtig:
Schritt 1: Meldung zeitnah abgeben
Melden Sie den Schaden unverzüglich, spätestens innerhalb von 7 Tagen. Viele Versicherungen fordern eine Meldung innerhalb einer Woche nach dem Schadensereignis. Je früher Sie melden, desto besser lässt sich der Schaden dokumentieren und der Anspruch sichern.
Schritt 2: Beweise sammeln
- Fotos und Videos aller Schäden (innen und außen)
- Wetterbericht des Schadentages (Windstärke, Zeit)
- Rechnungen über Sofortmaßnahmen (Notdienst, Planen)
- Schadensprotokoll mit Uhrzeit und Beobachtungen
- Zeugenaussagen (Nachbarn) bei umfangreichen Schäden
Schritt 3: Sturm nachweisen
Aus versicherungstechnischer Sicht gilt Sturm ab Windstärke 8 (mindestens 62 km/h). Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert Windspitzen regional. Ihre Versicherung kann die Wetterdaten für den Schadenstag abrufen, oder Sie beschaffen sie selbst über den DWD.
Schritt 4: Gutachter abwarten
Die Versicherung schickt in der Regel einen Gutachter, der den Schaden begutachtet. Lassen Sie sich nicht zu Sofortvergleichen drängen — nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie Ihren Dachdeckermeister bei der Begutachtung dabei sein. Das schützt Ihre Interessen.
Schritt 5: Reparatur freigeben
Erst wenn die Versicherung die Kostenübernahme (vorbehaltlich oder verbindlich) bestätigt hat, beauftragen Sie die dauerhafte Reparatur. Andernfalls tragen Sie das finanzielle Risiko selbst.
5. Typische Fehler bei der Abwicklung
- Eigenreparatur ohne Fachmann: Wer Pfannen selbst zurücklegt oder mit Klebeband flickt, riskiert Folgeschäden und verliert den Versicherungsanspruch.
- Verspätete Meldung: Meldung später als 7 Tage nach dem Sturm führt oft zu Leistungskürzungen.
- Spuren verwischen: Abgerissene Pfannen wegschmeißen oder Wasserflecken sofort überstreichen vernichtet Beweise.
- Annahme des ersten Gutachtens ohne Prüfung: Gutachter der Versicherung arbeiten im Interesse der Versicherung — ein eigener Sachverständiger lohnt sich bei großen Schäden.
- Auftragsvergabe vor Versicherungsbestätigung: Wer reparieren lässt, bevor die Versicherung die Kostenübernahme zusichert, zahlt im Zweifel selbst.
- Vergessen von Folgeschäden: Wasserschäden in der Dämmung oder an der Holzkonstruktion entstehen oft erst Tage später und müssen gesondert gemeldet werden.
6. Was kostet die Reparatur?
Die Kosten hängen vom Ausmaß des Schadens ab. Die folgende Übersicht zeigt typische Preisspannen:
Richtpreise Stand Anfang 2026 für Hildesheim und Umgebung. Die tatsächlichen Kosten hängen von Material, Zugänglichkeit und Umfang ab. Mehr zu den Kosten einer kompletten Dachdeckung im Ratgeber Dachdeckung Kosten 2026 →
7. Vorbeugen: So widersteht Ihr Dach dem nächsten Sturm
Sturmschäden lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber deutlich reduzieren. Diese Maßnahmen erhöhen die Widerstandsfähigkeit Ihres Daches:
- Pfannensturmklammern: In sturmgefährdeten Regionen (exponierte Lagen, hohe Gebäude) werden Pfannen am Ortgang und First mit Klammern gesichert. Kosten: 5 bis 15 € pro Pfanne.
- Jährliche Dachkontrolle: Brechende Pfannen und poröse Unterspannbahn rechtzeitig erkennen. Kosten für eine Inspektion: 90 bis 200 Euro.
- Baumschnitt am Haus: Herabfallende Äste sind eine der häufigsten Schadensursachen. Bäume nahe am Gebäude regelmäßig zurückschneiden.
- Correcte Ortgang- und Firstausbildung: Defekte Ortgangziegel sind die erste Schwachstelle bei Sturm. Reparatur vorbeugen durch fachgerechte Ausführung.
- Versicherungsschutz prüfen: Elementarschäden (Hagel, Überschwemmung) sind oft nur über eine separate Deckung abgesichert.
Eine fachgerechte Neueindeckung mit Sturmsicherung ist die beste Vorsorge. Mehr dazu unter Dachdeckerleistungen → und Notdienst-Service →
Sturmschaden — häufige Fragen
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Helge Kalies